Samstag, 2. August 2014

Deutschland 1914: SPD und Erster Weltkrieg (I)

In Berlin war es nun die ganze Sorge der deutschen Regierung und ihres Kanzlers Bethmann Hollweg, die Verantwortung für die weitere Eskalation des Krieges in den Augen der Öffentlich­keit auf Russland abzuwälzen. Anders als Wilhelm II. sah Bethmann Hollweg die Notwendigkeit, auch die Führung der deutschen Arbeiterbewegung, also der SPD und der Gewerkschaften, in die deutsche Kriegspolitik mit einzu­binden, damit keine nennenswerte Opposition gegen den Krieg aufkommen konnte. Und nichts eignete sich dazu besser als russische Angreifer, gegen die man sich und die Kultur des Westens verteidigen musste, denn der russische Zarismus war in der deutschen Arbeiter­bewegung tief verhasst.

Montag, 28. Juli 2014

Deutschland 1914: Sarajewo und die Julikrise

Es fehlten noch ein paar Schüsse in Sarajevo, um den Großen Krieg auszulösen. Sie fielen am 28. Juni 1914. Erzherzog Franz Ferdinand von Österreich, der habs­burgische Thronfolger, besuchte an diesem Sommertag mit seiner Gattin, Gräfin Sophie Chotek, die Hauptstadt von Bosnien-Herzegowina, die sich Österreich-Ungarn 1908 einverleibt hatte. Die beiden verließen das Rathaus, bestiegen ein offenes Automobil und wurden bei der Fahrt durch die Innenstadt aus der Menschenmenge heraus von dem 19jährigen Gymnasiasten Gavrilo Princip erschossen. Es war der zweite Mord­an­­schlag an einem Tag: Wenige Stunden zuvor hatte bereits jemand eine Bombe auf das Auto des Paares geworfen, es aber verfehlt. Bei der Explosion waren mehrere Begleiter verletzt worden. Trotzdem hatte Franz Ferdinand auch seine zweite für die Serben provozierende Fahrt angetreten.

Dienstag, 11. März 2014

Pflege braucht Politik? Nein, Pflege braucht Geld.

Die grassierende Begriffsverwirrung um das Wort „Politik“ treibt mitunter bizarre Blüten. Ende Januar 2014 demonstrierte eine Gruppe von Altenpflegerinnen und –pflegern, die sich „Pflege am Boden“ nennt, in Anwesenheit des Bundesgesundheitsministers Gröhe mit der Parole „Pflege braucht Politik“. An Gröhes Stelle hätte ich die Demonstranten gefragt, ob sie wirklich glauben, dass ein Stück Politik, also zum Beispiel eine Bundestagsdebatte,  ihnen weiterhülfe. Die Demonstranten hatten sicher Recht mit ihrer Forderung nach zusätzlichen Stellen in der Pflege, also nach zusätzlichem Geld. Nur – warum sagen sie es dann nicht auch so? Pflege braucht Geld, natürlich! Und das Geld ist ja da: Das Bruttoinlandsprodukt steigt und steigt, „wir“ (wie es dann zumeist heißt – der nächste problematische Begriff) werden immer reicher – also können „wir“ auch mehr Geld für eine so wichige Aufgabe wie Pflege ausgeben. Ich kann den demonstrierenden Pflegern nur empfehlen, politischer zu werden, die Politik, die sie fordern, also selber zu machen. Die Demonstration war schon ein guter Anfang. Sagt bei der nächsten am besten gleich, wo das zusätzliche Geld herkommen soll: Pflege braucht, sagen wir, eine höhere Erbschaftssteuer.

Dienstag, 15. Oktober 2013

Das Dogma vom tiefen und existenziellen Wagner

2012 und 2013 nahmen viele, vor allem Konservative den 200. Geburtstag des Komponisten Richard Wagner zum Anlass, Wagners Musik in einer Weise abzufeiern, die es aus guten Gründen seit 1945 in Deutschland nicht mehr gegeben hatte. Dabei klang immer mal wieder ein altes Dogma der deutschen Wagnerianer an: „Wagners Opern beschäftigen sich mit den tiefsten Existenzfragen, während die seiner Zeitgenossen Meyerbeer und Verdi stets nur auf oberflächliche Effekte aus waren.“ Schauen wir mal näher hin, ob da was dran ist!

Sonntag, 13. Januar 2013

Warum es dumm ist, Israel zu kritisieren

Jakob Augstein, Chefredakteur der Wochenzeitung der Freitag, hat Anfang 2013 den ca. fünfzigsten Antisemitismusstreit in der deutschen Linken losgetreten, indem er z. B. den Gazastreifen mit einem Lager verglichen hat - unter bewusster Anspielung auf die KZ-Lager der Nazis. Das löste heftige Reaktionen aus; u. a. bezeichnete das Simon-Wiesenthal-Center Augstein als einen der zurzeit schlimmsten Antisemiten der Welt. Ich greife aus dem weitgehend überflüssigen Komplex mal die so häufig gestellte Frage heraus, ob man "als Deutscher Israel kritisieren dürfe".

Dienstag, 1. Januar 2013

Vorstandsvorsitzende sind keine Unternehmer, sondern



... Schauspieler? Moderatoren? Diplomaten?

Das stellte René Obermann fest, als er im Dezember 2012 ankündigte, Ende 2013 als Vorstandsvorsitzender der Telekom auszuscheiden. Er wolle, hieß es dazu gegenüber der Presse, »wieder näher ans operative Geschäft rücken, als das für den Vorstandsvorsitzenden eines Großkonzerns möglich sei, und stärker unternehmerische Aufgaben übernehmen.« Obermann wörtlich: »Ich will wieder mehr Zeit für Kunden, Produktentwicklung und Technik haben.«

Sonntag, 30. Dezember 2012

Warum Amokläufe? Tut mir leid, aber ich weiß eine Antwort.


Amokläufe in Schulen wie Newtown (Connecticut/Usa) mit 27 Todesopfern, oder in Winnenden mit 15 Todesopfern lassen viele Menschen, vor allem Journalisten, die Frage nach dem Warum stellen - die aber nach einem ungeschriebenen Gesetz stets unbeantwortet bleiben muss. Dabei liefert z. B. Neue Westfälische (Bielefeld) vom 18. Dezember 2012 gleich unter dem Bericht über die Trauerfeier in Newtown eine Antwort auf die Warum-Frage frei Haus. Man muss einfach nur eins und eins zusammen zählen.