Seit etwa 200 Jahren kennen wir die konservative Klage über die Demokratie, die als Herrschaft der Mehrheit der Dummen über die Minderheit der Intelligenten unweigerlich das Ende jeder Kultur und den gnadenlosen Abstieg in die Barbarei herbeiführen wird. Doch ähnliche Klagen gab es bereits in der römischen Republik, als Patrizier vor einer Herrschaft der Plebejer warnten. Als das Römische Reich dann 400 Jahre später tatsächlich unterging, hatte das zwar viel mit „spätrömischer Dekadenz“ zu tun, doch die war nicht in der Unterschicht, bei den Sklaven, angesiedelt, sondern grassierte in der „aristokratischen“ Oberschicht; und sie war kein Effekt der Demokratie, sondern ein Effekt kaiserlicher Monarchie. Dennoch serviert uns Sarrazin in seinen langen Ausführungen über Dummheit und Intelligenz (in Kapitel 3, »Zeichen des Verfalls«, S. 90-100) wieder einmal die altkonservative Horrorgeschichte von der gar schrecklichen Herrschaft der Dummen, die uns deshalb droht, weil die Dummen häufiger vögeln und seltener verhüten als die Intelligenten. Schauen wir uns im einzelnen an, wie er das macht.
Kritische Anmerkungen über Krieg und Frieden, Kapitalisten und Kommunisten,
Ebert und Haase, Nietzsche und Tucholsky, Wagner und Verdi...
Posts mit dem Label migranten werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label migranten werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Donnerstag, 7. April 2011
Sonntag, 23. Januar 2011
Stéphane Hessel, der französische Anti-Sarrazin
Der Journalist Jakob Augstein hat in der Spiegel-Online-Kolumne S.P.O.N. das merkwürdige Phänomen aufgespießt, dass
- in Frankreich das Buch eines ehemaligen Résistance-Kämpfers und Buchenwald-Häftlings (Stéphane Hessel, Sohn des deutschen Schriftstellers und Emigranten Franz Hessel) für Aufregung sorgt, das fordert, "die gerechte Verteilung der Früchte der Arbeit soll wichtiger sein als die Macht des Geldes", und sich empört über "diese Gesellschaft der rechtlosen Ausländer, der Abschiebungen und des Generalverdachts gegenüber den Einwanderern..."
- in Deutschland dagegen ein Buch zum bestverkauften Sachbuch aller Zeiten zu werden droht, in dem sich ein reicher Bankier darüber empört, dass arme Menschen Kinder kriegen, ohne vorher Mathematik studiert zu haben.
Was sagt das über die beiden Länder aus? Augstein stellt fest: Seine deutschen Kollegen haben erhebliche Schwierigkeiten mit dem demokratischen Pathos eines Mannes, der Dinge sagt wie: "Ich wünsche jedem Einzelnen von Ihnen einen Grund zur Empörung. Das ist sehr wertvoll. Wenn etwas Sie empört, wie mich die Nazis empört haben, werden Sie kämpferisch, stark und engagiert."
Montag, 17. Januar 2011
Kritik des Sarrazin-Buches II: Parallelen zum Antisemitismus
Der Historiker Wolfgang Benz, Leiter des Zentrums für Antisemitismusforschung, hat in einem ZEIT-Interview auf deutliche Parallelen zwischen dem Antiislamismus heutiger Prägung, namentlich dem von Thilo Sarrazin, und dem deutschen Antisemitismus des 19. Jahrhunderts hingewiesen - obwohl die ZEIT-Journalisten den Vergleich problematisch fanden.
Donnerstag, 30. Dezember 2010
Kritik des Sarrazin-Buches I: Einleitung und Kernthese
Thilo Sarrazin ist schon reich genug und darf nicht noch reicher werden. Deshalb rate ich davon ab, das Buch zu kaufen. Für die Sarrazin-Kritiker lese und analysiere ich hier ein geliehenes Exemplar des Buches.
In der Einleitung verkündet Sarrazin seine drei Kernthesen:
- Die deutsche Bevölkerung wird voraussichtlich auf 25 Millionen im Jahr 2110 schrumpfen (und auf 3 Millionen im Jahr 2410).
- Gleichzeitig werden "wir Deutschen" dabei immer dümmer und fauler, weil die Qualität der Neugeborenen abnimmt. Deshalb werden wir weniger leistungsfähig, also ärmer.
- Dabei spielt die Zuwanderung eine wichtige Rolle. Der Versuch, das Schrumpfen der Bevölkerung durch Zuwanderer (Migranten) auszugleichen, verschärft das Problem des Dümmer-und-Fauler-Werdens.
Montag, 27. Dezember 2010
Selbstkritik eines politischen Journalisten
Bernd Ulrich schrieb in der »Zeit« (16.12.2010) eine erstaunliche Selbstkritik des politischen Journalismus in Form eines Jahresrückblicks. Er bilanzierte: Odenwaldschule, Migranten und Sarrazin, Wikileaks, Politikerschelte.
Sonntag, 3. Oktober 2010
Kreative Kriegstreiber
Man glaubt es kaum, was Rassisten alles an Begründungen für ihr schäbiges Verhalten einfällt! Die Gothaer Versicherung mit Sitz in Köln hat 2010 dem 79jährigen Opfer eines Verkehrsunfalls, einem Westfalen islamischer Konfession, die Zahlung für eine Haushaltshilfe verweigert. Man zitierte als Begründung eine Stelle aus dem Koran, nach der der Mann der Frau vorstehe und deshalb auch nicht den Haushalt führe. Daraus schloss die Versicherung: Wenn ein muslimischer Mann einen Unfall erleidet, fällt er nicht bei der Hausarbeit aus; ein Ersatz muss also nicht gezahlt werden. Es sei davon auszugehen, dass der Rentner traditionell erzogen sei.
Dieser lebt allerdings seit 1959 in Deutschland. Vor dem Unfall, bei dem er einen Schädel-Hirn-Trauma erlitt, führte er nach Angaben seines Rechtsanwaltes den Haushalt, da seine Ehefrau noch berufstätig war. Das berichtete eine westfälische Tageszeitung am 25. 9. 2010. (Nachtrag am 11.12.2010: Die Versicherung hat später nachgegeben und doch für die Haushaltshilfe gezahlt.)
Im September 2010 eskalierte auch ein Streit um eine westfälische Gesamtschule. Nachdem es dort eine Prügelei gegeben hatte, bei der ein Junge türkischer Herkunft einen Jungen deutscher Herkunft verletzt hatte, attackierte ein Leserbriefschreiber jene Lehrer, die sich um Jungen türkischer Herkunft gekümmert haben. Viele Journalisten kreuzten vor der Gesamtschule auf und wollten weitere prügelnde Türkenjungen filmen. Die vielen erfolgreichen Integrationsprojekte der Schule interessierten sie nicht.
Der besondere Hass deutscher Rassisten richtet sich oft gegen Muslime, die völlig selbstverständlich als deutsche Bürger in Deutschland leben, und gegen Deutsche, die sich erfolgreich für die Integration von Migranten oder Migrantenkindern eingesetzt haben. Das, was deutsche Rassisten wie Thilo Sarrazin den Muslimen vorwerfen: ihre angebliche Integrationsunwilligkeit, ist in Wirklichkeit das Ziel, das sie mit ihren Attacken erreichen wollen. Denn sie wollen den Krieg, koste er, was er wolle.
Sonntag, 5. September 2010
Ehrenmorde und Familiendramen
"Ehrenmorde" gibt es nicht nur auf islamisch, sondern auch auf christlich. Dann heißen sie "Familiendramen". Wenn christlich-abendländisch geprägte Männer es nicht ertragen können, dass sich ihre Frau von ihnen getrennt und sich selbstständig gemacht hat, greifen manche von ihnen zum Mittel des Selbstmordanschlags: Sie töten Frau und Kinder und anschließend sich selbst.
Ein interessanter Vergleich, den Florian Rötzer am 3.9.2010 in telepolis anstellte.
Donnerstag, 22. Oktober 2009
Sarrazin heißt die Kanaille
Der Berliner Sozialdemokrat, ehemalige Finanzsenator und spätere Bundesbankvorstand Thilo Sarrazin hetzte im Oktober 2009 öffentlich gegen Türken und Araber in Deutschland. Der jüdische Schriftsteller Ralph Giordano (»Die Bertinis«) beeilte sich, ihm beizupflichten, als Sarrazin angegriffen wurde.
Abonnieren
Posts (Atom)