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Sonntag, 13. Januar 2013

Warum es dumm ist, Israel zu kritisieren

Jakob Augstein, Chefredakteur der Wochenzeitung der Freitag, hat Anfang 2013 den ca. fünfzigsten Antisemitismusstreit in der deutschen Linken losgetreten, indem er z. B. den Gazastreifen mit einem Lager verglichen hat - unter bewusster Anspielung auf die KZ-Lager der Nazis. Das löste heftige Reaktionen aus; u. a. bezeichnete das Simon-Wiesenthal-Center Augstein als einen der zurzeit schlimmsten Antisemiten der Welt. Ich greife aus dem weitgehend überflüssigen Komplex mal die so häufig gestellte Frage heraus, ob man "als Deutscher Israel kritisieren dürfe".

Donnerstag, 12. Juli 2012

Wie eine geistige Befreiungsbewegung sich selbst entleibte (Nachtrag 2007)

Der Wikipedia-Artikel »Weißsein« (Stand 2007) liefert ein krächzendes, klapperndes und quietschendes Beispiel für das Elend des Dekonstruktivismus. Dabei ist der Grundgedanke des Artikels bzw. des dort beschriebenen Konzepts klar und gut, kräftig und fruchtbar: Es kommt darauf an, die Weißen als die Anderen, die Fremden wahrzunehmen, zu untersuchen, zu kritisieren, genau so wie sie es seit Jahrhunderten mit den Schwarzen tun. In der Tat freue ich mich schon lange auf die Ergebnisse einer klassischen Völkerkunde, die sich mit den merkwürdigen Riten und Gebräuchen der rosahäutigen Eingeborenen Mitteleuropas beschäftigt. [Es gibt so etwas von Diana Bonnelamé.]
Aber leider verschwindet dieser Gedanke in einem entsetzlichen Getöse und Geschwalle abstrakter Ausdrücke und kaum verständlicher Sätze, deren erstes Anliegen es zu sein scheint, sich dafür zu rechtfertigen, dass man überhaupt etwas auszusagen wagt,

Sonntag, 8. April 2012

War Grass‘ Attacke auf Israel antisemitisch?

Günter Grass bezeichnete im April 2012 in einem Gedicht, das die Süddeutsche Zeitung veröffentlichte, die Atommacht Israel als Gefahr für den Weltfrieden. Außerdem stellte er dort Israel und dem Iran moralisch auf die gleiche Stufe, um die Tatsachen gegeneinander stellen zu können, dass Israel Atombomben besitzt, der Iran aber wahrscheinlich nicht. War diese Attacke auf die israelische Staatsführung, wie viele behaupten, antisemitisch?

Sonntag, 13. November 2011

Die Mörder vom Verfassungsschutz

Ein offenbar vom thürinigischen Verfassungsschutz gegründetes und zeitweise ausgehaltenes Trüppchen faschistischer Mörder, das sich zuerst "Thüringer Heimatschutz" und später "Nationalsozialistischer Untergrund (NSU)" nannte, scheint verantwortlich gewesen zu sein für die Ermordung von neun türkisch- oder griechischstämmigen Geschäftsleuten in den Jahren 2000-2006 (die sog. Dönermorde), für die Ermordung einer Polizistin in Heilbronn 2007, für den Bombenanschlag in der Keupstraße in Köln-Mülheim 2004 und vielleicht auch für den Bombenanschlag auf jüdische Aussiedler an der S-Bahn-Station Düsseldorf-Wehrhahn anno 2000.
Einmal mehr wird deutlich, dass viele sog. V-Leute des Verfassungsschutzes in der faschistischen Szene es nicht als ihre Aufgabe betrachten,  die Verbrechen dieser Szene aufzuklären oder zu unterbinden, sondern stattdessen diese Szene aufbauen, unterstützen und ihre Verbrechen  fördern.

Führt Spur der Döner-Morde nach Düsseldorf und Köln?
Rheinische Post 11.11.2011

Bekenntnis per Paulchen-Panther-Clip
taz 12.11.2011

Döner-Morde: Vierter Verdächtiger festgenommen
Kölner Stadt-Anzeiger 13.11.2011

Eine Nachahmungstat in Rheda-Wiedenbrück
Neue Westfälische 15.11.2011

Verfassungsschützer 2006 in Kasseler Mordfall verwickelt
taz 16.11.2011

V-Leute-System abschaffen!
Aufruf der VVN-BdA vom 20.11.2011


Montag, 17. Januar 2011

Kritik des Sarrazin-Buches II: Parallelen zum Antisemitismus

Der Historiker Wolfgang Benz, Leiter des Zentrums für Antisemitismusforschung, hat in einem ZEIT-Interview auf deutliche Parallelen zwischen dem Antiislamismus heutiger Prägung, namentlich dem von Thilo Sarrazin, und dem deutschen Antisemitismus des 19. Jahrhunderts hingewiesen - obwohl die ZEIT-Journalisten den Vergleich problematisch fanden.

Donnerstag, 30. Dezember 2010

Kritik des Sarrazin-Buches I: Einleitung und Kernthese

Thilo Sarrazin ist schon reich genug und darf nicht noch reicher werden. Deshalb rate ich davon ab, das Buch zu kaufen. Für die Sarrazin-Kritiker lese und analysiere ich hier ein geliehenes Exemplar des Buches.

In der Einleitung verkündet Sarrazin seine drei Kernthesen:

  • Die deutsche Bevölkerung wird voraussichtlich auf 25 Millionen im Jahr 2110 schrumpfen (und auf 3 Millionen im Jahr 2410).
  • Gleichzeitig werden "wir Deutschen" dabei immer dümmer und fauler, weil die Qualität der Neugeborenen abnimmt. Deshalb werden wir weniger leistungsfähig, also ärmer.
  • Dabei spielt die Zuwanderung eine wichtige Rolle. Der Versuch, das Schrumpfen der Bevölkerung durch Zuwanderer (Migranten) auszugleichen, verschärft das Problem des Dümmer-und-Fauler-Werdens.

Samstag, 4. Dezember 2010

Je reicher, desto Arschloch

Der Bielefelder Soziologe Wilhelm Heitmeyer hat bei seiner langfristig angelegten Erforschung von Vorurteilen, Ressentiments und aggressiven Haltungen herausgefunden, dass sich im Jahr 2010 vor allem bei den Menschen mit höherem Einkommen rassistische, sexistische und arrogant-überhebliche Haltungen verstärkt haben. Bericht auf sueddeutsche.de 4.12.2010

Interessant ist dabei ein feiner Widerspruch: Die Elite sieht sich selbst gerne als Leistungsträger und alle anderen als Unfähige oder Schmarotzer. Ihr entgeht, dass eine funktionierende Gesellschaft nicht von extremen Egoisten zusammengehalten wird, sondern von Menschen, die bereitwillig mit ihren Mitmenschen kooperieren und deren Menschenrechte achten. Gerade in dem Punkt sieht es bei den angeblichen Leistungsträgern aber besonders mau aus. Die Elite leistet zu wenig - für die Gesellschaft. Und die Gesellschaft könnte sich fragen, ob sie sich eine solche Elite weiterhin leisten will.

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Dienstag, 2. November 2010

Mit Frauenfeindlichkeit kennen Islamhasser sich bestens aus

Dorothea Jung analysierte in den "Blättern für deutsche und internationale Politik" den islamfeindlichen Weblog "Politically Incorrect" (auf den zu verlinken ich mich weigere). Typisch ist die Konstruktion des Weblogs: Relativ zurückhaltend formulierte Beiträge lösen regelmäßig eine Welle hasserfüllter Kommentare aus, in denen Faschisten und Rassisten der übelsten Sorte ihre ungefilterte Kriegshetze ablassen. Das Moslem-Stereotyp dieses Weblogs hat drei konstante Eigenschaften: "Der" Moslem ist per Definition frauenfeindlich, homophob und antisemitisch. 

Sonntag, 3. Oktober 2010

Kreative Kriegstreiber

Man glaubt es kaum, was Rassisten alles an Begründungen für ihr schäbiges Verhalten einfällt! Die Gothaer Versicherung mit Sitz in Köln hat 2010 dem 79jährigen Opfer eines Verkehrsunfalls, einem Westfalen islamischer Konfession, die Zahlung für eine Haushaltshilfe verweigert. Man zitierte als Begründung eine Stelle aus dem Koran, nach der der Mann der Frau vorstehe und deshalb auch nicht den Haushalt führe. Daraus schloss die Versicherung: Wenn ein muslimischer Mann einen Unfall erleidet, fällt er nicht bei der Hausarbeit aus; ein Ersatz muss also nicht gezahlt werden. Es sei davon auszugehen, dass der Rentner traditionell erzogen sei.

Dieser lebt allerdings seit 1959 in Deutschland. Vor dem Unfall, bei dem er einen Schädel-Hirn-Trauma erlitt, führte er nach Angaben seines Rechtsanwaltes den Haushalt, da seine Ehefrau noch berufstätig war. Das berichtete eine westfälische Tageszeitung am 25. 9. 2010. (Nachtrag am 11.12.2010: Die Versicherung hat später nachgegeben und doch für die Haushaltshilfe gezahlt.)

Im September 2010 eskalierte auch ein Streit um eine westfälische Gesamtschule. Nachdem es dort eine Prügelei gegeben hatte, bei der ein Junge türkischer Herkunft einen Jungen deutscher Herkunft verletzt hatte, attackierte ein Leserbriefschreiber jene Lehrer, die sich um Jungen türkischer Herkunft gekümmert haben. Viele Journalisten kreuzten vor der Gesamtschule auf und wollten weitere prügelnde Türkenjungen filmen. Die vielen erfolgreichen Integrationsprojekte der Schule interessierten sie nicht.

Der besondere Hass deutscher Rassisten richtet sich oft gegen Muslime, die völlig selbstverständlich als deutsche Bürger in Deutschland leben, und gegen Deutsche, die sich erfolgreich für die Integration von Migranten oder Migrantenkindern eingesetzt haben. Das, was deutsche Rassisten wie Thilo Sarrazin den Muslimen vorwerfen: ihre angebliche Integrationsunwilligkeit, ist in Wirklichkeit das Ziel, das sie mit ihren Attacken erreichen wollen. Denn sie wollen den Krieg, koste er, was er wolle.

Donnerstag, 22. Oktober 2009

Sarrazin heißt die Kanaille

Der Berliner Sozialdemokrat, ehemalige Finanzsenator und spätere Bundesbankvorstand Thilo Sarrazin hetzte im Oktober 2009 öffentlich gegen Türken und Araber in Deutschland. Der jüdische Schriftsteller Ralph Giordano (»Die Bertinis«) beeilte sich, ihm beizupflichten, als Sarrazin angegriffen wurde.