Jakob Augstein, Chefredakteur der Wochenzeitung der Freitag, hat Anfang 2013 den ca. fünfzigsten Antisemitismusstreit in der deutschen Linken losgetreten, indem er z. B. den Gazastreifen mit einem Lager verglichen hat - unter bewusster Anspielung auf die KZ-Lager der Nazis. Das löste heftige Reaktionen aus; u. a. bezeichnete das Simon-Wiesenthal-Center Augstein als einen der zurzeit schlimmsten Antisemiten der Welt. Ich greife aus dem weitgehend überflüssigen Komplex mal die so häufig gestellte Frage heraus, ob man "als Deutscher Israel kritisieren dürfe".
Kritische Anmerkungen über Krieg und Frieden, Kapitalisten und Kommunisten,
Ebert und Haase, Nietzsche und Tucholsky, Wagner und Verdi...
Posts mit dem Label journalisten werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label journalisten werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Sonntag, 13. Januar 2013
Sonntag, 30. Dezember 2012
Warum Amokläufe? Tut mir leid, aber ich weiß eine Antwort.
Amokläufe in Schulen wie Newtown (Connecticut/Usa) mit 27 Todesopfern, oder in Winnenden mit 15 Todesopfern lassen viele Menschen, vor allem Journalisten, die Frage nach dem Warum stellen - die aber nach einem ungeschriebenen Gesetz stets unbeantwortet bleiben muss. Dabei liefert z. B. Neue Westfälische (Bielefeld) vom 18. Dezember 2012 gleich unter dem Bericht über die Trauerfeier in Newtown eine Antwort auf die Warum-Frage frei Haus. Man muss einfach nur eins und eins zusammen zählen.
Freitag, 5. Oktober 2012
Die Denkfehler der Mohammed-Karikaturisten
Das französische Satiremagazin Charlie Hebdo hat im
September 2012 eine Reihe von Mohammed-Karikaturen veröffentlicht, um zu
demonstrieren, dass man sich von Morddrohungen islamistischer Terroristen nicht
einschüchtern lasse. Diesem pubertärprovokativen Akt – dem die Nacktbilder unter
den Karikaturen entsprechen – liegen drei Denkfehler zu Grunde: Es gibt keinen Grund, Mohammed zu karikieren. Die politische Stoßrichtung ist falsch. Der Vergleich mit Papst- und Jesus-Karikaturen ist verfehlt.
Mittwoch, 18. April 2012
Kein Mörder hat ein Recht darauf, zum Star zu werden
taz-Redakteur Klaus Hillenbrand plädiert in taz online für das "Recht des Täters" von Oslo, im Prozess sein Weltbild zu verbreiten. Doch eigentlich geht es gar nicht darum, was im Prozess geschieht. Es geht darum, was die Medien daraus machen. Kein Täter oder Angeklagter hat ein Recht darauf, dass seine selbst inszenierten Fotos von den Medien in jeden Winkel der Welt getragen werden. Kein Täter hat ein Recht darauf, dass sein Name in der ganzen Welt bekannt gemacht wird. Deshalb steht es in der freien Entscheidung der Redaktionen, Fotos des Täters zu veröffentlichen oder nicht, seinen Namen zu nennen oder nicht. Ich fordere die Redaktionen deshalb dringend dazu auf, keine Fotos des Täters zu veröffentlichen und seinen Namen konsequent nicht zu nennen.
Der größte Jammer ist freilich, dass der Täter am Tattag nicht viel früher durch Notwehr gestoppt wurde. Dann wären viele seiner Opfer noch am Leben, und er selber wäre tot und könnte uns nicht mehr zum Kotzen bringen.
Der größte Jammer ist freilich, dass der Täter am Tattag nicht viel früher durch Notwehr gestoppt wurde. Dann wären viele seiner Opfer noch am Leben, und er selber wäre tot und könnte uns nicht mehr zum Kotzen bringen.
Donnerstag, 14. Juli 2011
Hillary Clinton sieht einer Erschießung zu
Die usamische Außenministerin Hillary Clinton zeigte Gefühle, als sie zusammen mit Barack Obama und anderen die Erschießung des Al-Kaida-Chefs Osama Bin Laden am Bildschirm mitverfolgte. Auf dem Foto von der Runde der Zuschauer, das durch die Presse ging, sieht man, wie sie sich entsetzt die Hand vor den Mund hielt. Wie die Medienforscherin Miriam Meckel berichtet, waren sich viele Politik-Kritiker danach in Usa einig, dass sich Clinton mit dieser Geste als etwaige Präsidentin disqualifiziert habe. Denn ihrer Meinung nach hat ein Präsident keine Gefühle zu zeigen, wenn er einen Menschen töten lässt und das Leben seiner Soldaten gefährdet; eine Präsidentin schon mal gar nicht. Bei anderen Gelegenheiten beklagen sich die mutmaßlich gleichen Kritiker dann über die "politische Kaste", also über Politiker, die angeblich den Kontakt zu "normalen Menschen" verloren hätten. Zu jenen Menschen also, die noch ihre Gefühle zeigen. Was soll ich über so viel Dummheit noch sagen? Dummheit ist die Unfägigkeit, 1 und 1 zusammenzuzählen.
Mittwoch, 2. März 2011
Guttenberg in der Sackgasse der Selbstinszenierung
Eins hat der damalige Verteidigungsminister Alkibiades zu Guttenberg am Ende doch erkannt, das es wert ist, hier festgehalten zu werden: Er hat die Sackgasse erkannt, in die er sich mit seiner beispiellosen Selbstinszenierung als Kriegsheld von Afghanistan, als smarter Durchgreifer vom Dienst, mit dem von ihm selbst systematisch organisierten Starkult hineinmanövriert hat.
Montag, 27. Dezember 2010
Selbstkritik eines politischen Journalisten
Bernd Ulrich schrieb in der »Zeit« (16.12.2010) eine erstaunliche Selbstkritik des politischen Journalismus in Form eines Jahresrückblicks. Er bilanzierte: Odenwaldschule, Migranten und Sarrazin, Wikileaks, Politikerschelte.
Dienstag, 14. Dezember 2010
Wird Wikileaks überschätzt?
Die Enthüllungsplattform Wikileaks hat verschiedenen, nicht ganz ohnmächtigen Leuten eine Art Krieg erklärt. Viele Wikileaks-Anhänger wundern sich jetzt, dass die Betroffenen sich wehren und zum Gegenangriff übergehen. Besonders übel stieß der sog. Internet-Gemeinde auf, dass Amazon, Visa, Paypal & Co. versucht haben, Wikileaks finanziell auszutrocknen. Derweil meinen manche Beobachter, Wikileaks mache den traditionellen Journalismus überflüssig. Sie dürften sich täuschen.
Mittwoch, 24. November 2010
Deutschland 1919: Tucholsky, der Negative
Der deutsche Dichter und Journalist Kurt Tucholsky veröffentlichte im März 1919 seinen berühmten Essay Wir Negativen in der Zeitschrift Die Weltbühne.
Im März 1999 kommentierte ich Tucholskys Beitrag zur Deutschen Revolution von 1918/19 mit folgenden Zeilen:
Ein weiteres rundes Jubiläum, diesmal das 80., ist verstrichen, und die einzige deutsche Revolution, die eine neue Staatsordnung hervorbrachte - die von 1918/19 -, blieb auch diesmal eine Sache der Parteihistoriker und Archivare. Hier soll sie zur Abwechslung unter einem literaturgeschichtlichen Aspekt angerissen werden.
Sonntag, 3. Oktober 2010
Kreative Kriegstreiber
Man glaubt es kaum, was Rassisten alles an Begründungen für ihr schäbiges Verhalten einfällt! Die Gothaer Versicherung mit Sitz in Köln hat 2010 dem 79jährigen Opfer eines Verkehrsunfalls, einem Westfalen islamischer Konfession, die Zahlung für eine Haushaltshilfe verweigert. Man zitierte als Begründung eine Stelle aus dem Koran, nach der der Mann der Frau vorstehe und deshalb auch nicht den Haushalt führe. Daraus schloss die Versicherung: Wenn ein muslimischer Mann einen Unfall erleidet, fällt er nicht bei der Hausarbeit aus; ein Ersatz muss also nicht gezahlt werden. Es sei davon auszugehen, dass der Rentner traditionell erzogen sei.
Dieser lebt allerdings seit 1959 in Deutschland. Vor dem Unfall, bei dem er einen Schädel-Hirn-Trauma erlitt, führte er nach Angaben seines Rechtsanwaltes den Haushalt, da seine Ehefrau noch berufstätig war. Das berichtete eine westfälische Tageszeitung am 25. 9. 2010. (Nachtrag am 11.12.2010: Die Versicherung hat später nachgegeben und doch für die Haushaltshilfe gezahlt.)
Im September 2010 eskalierte auch ein Streit um eine westfälische Gesamtschule. Nachdem es dort eine Prügelei gegeben hatte, bei der ein Junge türkischer Herkunft einen Jungen deutscher Herkunft verletzt hatte, attackierte ein Leserbriefschreiber jene Lehrer, die sich um Jungen türkischer Herkunft gekümmert haben. Viele Journalisten kreuzten vor der Gesamtschule auf und wollten weitere prügelnde Türkenjungen filmen. Die vielen erfolgreichen Integrationsprojekte der Schule interessierten sie nicht.
Der besondere Hass deutscher Rassisten richtet sich oft gegen Muslime, die völlig selbstverständlich als deutsche Bürger in Deutschland leben, und gegen Deutsche, die sich erfolgreich für die Integration von Migranten oder Migrantenkindern eingesetzt haben. Das, was deutsche Rassisten wie Thilo Sarrazin den Muslimen vorwerfen: ihre angebliche Integrationsunwilligkeit, ist in Wirklichkeit das Ziel, das sie mit ihren Attacken erreichen wollen. Denn sie wollen den Krieg, koste er, was er wolle.
Samstag, 15. Mai 2010
Eine Firma namens „die Politik“
Im Mai 2010 sagte Bundespräsident Horst Köhler bei einem Festakt für den neuen Präsidenten des Bundesverfassungsgerichts, Andreas Voßkuhle: »Das Bundesverfassungsgericht ist nicht gedacht als Ersatz für Politik.« Die Verfassungsrichter könnten den Bürgern und ihren Repräsentanten die Aufgabe nicht abnehmen, selber politisch zu denken, zu streiten, zu entscheiden und zu handeln. Es sei auffällig, dass politische Auseinandersetzungen immer seltener ausdiskutiert würden. »Wer etwas erreichen will, deklariert das Gewünschte als Verfassungsgebot«, und wer es nicht bekomme, rufe das Bundesverfassungsgericht an.
So weit, so richtig gesehen und analysiert. Die dpa allerdings formulierte ihren Einleitungssatz zu der einschlägigen Meldung so: »Bundespräsident Horst Köhler hat die Politik aufgefordert, wichtige Entscheidungen nicht so häufig dem Bundesverfassungsgericht zu überlassen.« (Nach SZ online 14.5.2010)
Abonnieren
Posts (Atom)