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Sonntag, 3. Oktober 2010

Kreative Kriegstreiber

Man glaubt es kaum, was Rassisten alles an Begründungen für ihr schäbiges Verhalten einfällt! Die Gothaer Versicherung mit Sitz in Köln hat 2010 dem 79jährigen Opfer eines Verkehrsunfalls, einem Westfalen islamischer Konfession, die Zahlung für eine Haushaltshilfe verweigert. Man zitierte als Begründung eine Stelle aus dem Koran, nach der der Mann der Frau vorstehe und deshalb auch nicht den Haushalt führe. Daraus schloss die Versicherung: Wenn ein muslimischer Mann einen Unfall erleidet, fällt er nicht bei der Hausarbeit aus; ein Ersatz muss also nicht gezahlt werden. Es sei davon auszugehen, dass der Rentner traditionell erzogen sei.

Dieser lebt allerdings seit 1959 in Deutschland. Vor dem Unfall, bei dem er einen Schädel-Hirn-Trauma erlitt, führte er nach Angaben seines Rechtsanwaltes den Haushalt, da seine Ehefrau noch berufstätig war. Das berichtete eine westfälische Tageszeitung am 25. 9. 2010. (Nachtrag am 11.12.2010: Die Versicherung hat später nachgegeben und doch für die Haushaltshilfe gezahlt.)

Im September 2010 eskalierte auch ein Streit um eine westfälische Gesamtschule. Nachdem es dort eine Prügelei gegeben hatte, bei der ein Junge türkischer Herkunft einen Jungen deutscher Herkunft verletzt hatte, attackierte ein Leserbriefschreiber jene Lehrer, die sich um Jungen türkischer Herkunft gekümmert haben. Viele Journalisten kreuzten vor der Gesamtschule auf und wollten weitere prügelnde Türkenjungen filmen. Die vielen erfolgreichen Integrationsprojekte der Schule interessierten sie nicht.

Der besondere Hass deutscher Rassisten richtet sich oft gegen Muslime, die völlig selbstverständlich als deutsche Bürger in Deutschland leben, und gegen Deutsche, die sich erfolgreich für die Integration von Migranten oder Migrantenkindern eingesetzt haben. Das, was deutsche Rassisten wie Thilo Sarrazin den Muslimen vorwerfen: ihre angebliche Integrationsunwilligkeit, ist in Wirklichkeit das Ziel, das sie mit ihren Attacken erreichen wollen. Denn sie wollen den Krieg, koste er, was er wolle.

Mittwoch, 10. Februar 2010

Anarchisten stürzen Unis ins Chaos

Lustige Anarchisten in Berlin: Unter großem Jubel von FDP, BDI und Hochschulen hat man um 2005 die verhasste Zentralstelle für die Vergabe von Studienplätzen (ZVS) als Musterexemplar eines »bürokratischen Monsters« weitgehend zerstört. Ende 2008 und Ende 2009 kam dann die Quittung: Die Hochschulen konnten Zigtausende Studienplätze (18.000 waren es Anfang 2010) in knappen Fächern wie Jura oder Wirtschaftswissenschaften monatelang nicht besetzen, weil Bewerber sich an mehreren Hochschulen zugleich beworben hatten. Zu ZVS-Zeiten war das kein Problem gewesen. NRW-Wissenschaftsminister Andreas Pinkwart kündigte im Februar 2010 - wie schon ein Jahr zuvor - eine Super-Software an, die künftig die frühere Arbeit der ZVS erledigen soll. So etwas funktioniert erfahrungsgemäß (siehe z. B. Toll Collect) frühestens vier Jahre nach dem Beginn der Entwicklung und kostet Milliarden. Bis dahin wird der »Bürokratie«-Abbau bei der Studienplatzvergabe voraussichtlich ein siebenjähriges Chaos ausgelöst haben.
WAZ (Der Westen) 9.2.2010