Mittwoch, 2. März 2011

Eins hat Guttenberg am Ende doch erkannt,

das es wert ist, hier festgehalten zu werden: 
Er hat die Sackgasse erkannt, in die er sich mit seiner beispiellosen Selbstinszenierung als Kriegsheld von Afghanistan, als smarter Durchgreifer vom Dienst, mit dem von ihm selbst systematisch organisierten Starkult hineinmanövriert hat.

Er hat erkannt, dass eine politische Krise, wie sie noch jeder Verteidigungsminister vor ihm erlebt hat, wegen dieses Starkults unweigerlich zur Affäre Guttenberg werden musste; dass also sein persönliches Verhalten ins Zentrum der Aufmerksamkeit rücken und alle sachlich-politischen Betrachtungen von Dingen wie Bundeswehrreform oder Afghanistan-Krieg ins Abseits drängen musste. Und er hat erkannt, dass diese Probleme zu folgenreich sind, um sie Leuten überlassen zu können, die immer nur einen schneidigen Baron mit glitzernder Gattin im Kopf haben. 

Der Erfolg einer Demokratie hängt davon ab, dass über die realen politischen Probleme diskutiert wird. Mir scheint, Guttenberg hat erkannt, dass Republik und Monarchie tatsächlich unvereinbar sind. Es wäre ein Segen, wenn sich diese Erkenntnis im deutschen Fernsehen herumsprechen würde.

Und einen Tag später lese ich in einem Gastbeitrag von Ex-Regierungssprecher Thomas Steg in sueddeutsche.de:


Während die meisten Politiker schon einigermaßen froh sind, als fachkundig und respektabel zu erscheinen, wurden dem fränkischen Freiherrn Aura und Ausstrahlung, Charisma und Empathie, Unabhängigkeit und Leidenschaft attestiert. Diese Eigenschaften sind Guttenberg zugeschrieben worden, ohne dass er sie tatsächlich nachgewiesen hätte. Seine phänomenale Wirkung resultierte aus den irrationalen Projektionen, die viele Menschen auf ihn gerichtet haben, wobei auch latent antidemokratische Affekte und Sehnsüchte nach einer starken und weisen Lichtgestalt mitschwingen, der man bereitwillig folgen möchte.

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